Das Archiv
Öffnungszeiten
Mi & Do 14.00 – 18.00 Uhr
Tel.: (030)314-23080
Kontakt
Svetlana Burmistr
Regina Schulz
archiv [at] zfa.kgw.tu-berlin.de
Archivordnung
Die Archivordnung können Sie
hier als
pdf-Datei einsehen.
Geschichte/Allgemeines
Das Archiv des Zentrums für Antisemitismusforschung sammelt Dokumente aus den Gebieten Antisemitismus, Nationalsozialismus, Rassismus und Rechtsextremismus, aber auch aus angrenzenden Gebieten, etwa der deutschjüdischen Geschichte und der Exilgeschichte.
Ein zentraler Bestand zur juristischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus sind die Akten der Nürnberger Prozesse aus den Jahren 1945 bis 1948. Dazu zählen die Unterlagen aus dem Hauptkriegsverbrecherprozeß vor dem Internationalen Militärtribunal gegen Göring, Heß, Ribbentrop und andere sowie aus den zwölf nachfolgenden US-Militärgerichtsprozessen. Die Akten gliedern sich in mehrere Dokumentenreihen, in denen sich Beweismaterial der Anklage findet, und in mehrere Gruppen von Verhandlungsakten, zu denen die stenographischen Protokolle und die Dokumentenbücher von Anklage und Verteidigung zählen.
Visual History Archive
Das Zentrum für Antisemitismusforschung erhält als zweite europäische Institution neben der Freien Universität Berlin einen elektronischen Zugang zum Archiv des „Shoah Foundation Institute for Visual History and Education“ der University of Southern California (USC). Dank der Kooperation mit der Freien Universität Berlin ist der Zugriff auf das weltweit größte historische Video-Archiv ab sofort an den Arbeitsplätzen des ZfA-Archivs möglich.
Das „Visual History Archive“ wurde von dem Regisseur Steven Spielberg initiiert. Während der Dreharbeiten zum Film "Schindlers Liste" im polnischen Krakau äußerten Holocaust-Überlebende den Wunsch, auch vor der Kamera über ihre Erinnerungen zu berichten. Entstehung und Ziele des „Shoah Foundation Institute for Visual History and Education“ der USC:
http://www.vha.fu-berlin.de/archiv/shoah_foundation_institute/index.html
Studierende, Lehrende und WissenschaftlerInnen erhalten Zugriff auf etwa 52.000 Video-Interviews mit Überlebenden und Zeugen des Holocaust aus 56 Ländern in 32 Sprachen. Das Shoah Foundation Institute hat das Videomaterial digitalisiert, verschlagwortet und über ein differenziertes Archivierungssystem nutzbar gemacht. Die Katalogisierung und Indexierung ermöglicht eine differenzierte Suche nach unterschiedlichen Gesichtspunkten.
Hier können Sie vorab im Visual History Archive recherchieren und sich über die vorhandenen Findmittel informieren.
Der direkte Zugriff auf das Visual History Archive ist an den Arbeitsplätzen im ZfA-Archiv während der Öffnungszeiten des Archivs möglich.
Weitere Bestände:
1.
Das Archiv verfügt über biographische Unterlagen zu rund 25 000 deutschsprachigen Emigranten, die nach 1933 Mitteleuropa verlassen mußten. Die Sammlung entstand aus einem Forschungsprojekt der Research Foundation for Jewish Immigration in New York und des Instituts für Zeitgeschichte in München, aus dem das Biographische Handbuch der deutschsprachigen Emigration hervorgegangen ist. Zu den Sammlungen autobiographischer Dokumente gehört auch ein Bestand rund 150 vorwiegend unveröffentlichter Manuskripte und Unterlagen, in denen sich Erfahrungen von Verfolgung und Flucht spiegeln, ebenso Tonbänder und Interviewabschriften aus verschiedenen Forschungsprojekten. Auf Mikrofilm liegen außerdem 127 autobiographische Manuskripte deutscher Juden aus der Houghton Library der Harvard-Universität vor. Sie waren 1940 bei einem Wettbewerb eingereicht worden unter dem Motto: "My Life in Germany Before and After January 30, 1933".
2.
Seit 1990 befindet sich im Zentrum auch das Archiv der American Federation of Jews from Central Europe in New York. Die Emigrantenorganisation vertritt seit 1939 die Interessen der aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA emigrierten und geflüchteten Juden. Unter anderem engagierte sich die Organisation gegenüber der Bundesrepublik Deutschland für Zahlungen im Rahmen der "Wiedergutmachung". Der Bestand enthält Sitzungsprotokolle von 1939 bis 1973, Korrespondenzen mit Organisationen und Behörden sowie Personalunterlagen.
3.
Im Jahre 2000 erhielt das Zentrum die Sammlung Diamant, die über ca. 50m² an Datenmaterial verfügt. Hauptaugenmerk der Sammlung sind die Erfassung jüdischer Friedhöfe in Deutschland und dokumentierte Friedhofsschändungen seit der Weimarer Republik. Weiterhin beinhaltet sie eine Dokumentensammlung zu den im Novemberpogrom 1938 zerstörten Synagogen und zahlreiche Zeitungsausschnitte, die sich mit den Themen "Antisemitismus", "Jüdisches Leben in Deutschland" und "Vergangenheitsbewältigung" seit den 50er Jahren beschäftigen. Zudem gehören eine Dokumentation der Chemnitzer Gestapo als auch diverse Jahrbücher und Newsletter jüdischer Institutionen zum Bestand der Sammlung Diamant.
4.
Die Sammlung "Testaments to the Holocaust" aus dem Archiv der Wiener Library in London steht auf 76 Mikrofilmrollen zur Verfügung. Sie enthält nationalsozialistisches Propagandamaterial wie Bildbände, Kalender, die antisemitische Enzyklopädie "Sigilla Veri", Publikationen der Hitlerjugend, Schul- und Liederbücher. Dazu kommen jüdische Augenzeugenberichte über die nationalsozialistische Verfolgung, von denen einige bereits in den Wochen und Monaten nach dem Novemberpogrom 1938 entstanden sind. Von der Wiener Library herausgegebene Periodika von 1934 bis 1965 ergänzen diesen Bestand ebenso wie Fotos zu jüdischem Leben in der Weimarer Republik und unter nationalsozialistischer Herrschaft.
5.
Auf 196 Mikrofilmrollen zugänglich ist außerdem der gesamte "DP-Germany"/"Leo W. Schwarz Papers"-Bestand des YIVO Institute for Jewish Research in New York. Dabei handelt es sich um eine zentrale Quelle zur Geschichte der jüdischen Displaced Persons und zur jüdischen Geschichte im Nachkriegsdeutschland. Sie wird ergänzt durch DP-Zeitungen und Zeitschriften.
6.
Eine Reihe von Periodika steht auf Mikrofilm zur Verfügung. Dazu zählen antisemitische Organe, etwa die "Alldeutschen Blätter", "La Libre Parole", der "Stürmer" oder der "Völkische Beobachter" ebenso wie Periodika zur Abwehr des Antisemitismus, etwa die "Abwehrblätter", die "C.V.Zeitung" oder die Berichte der Alliance Israélite Universelle. Dazu kommen Periodika, in denen sich die Beziehungsgeschichte zwischen Juden und Nichtjuden spiegelt, wie jüdische Tageszeitungen und Gemeindeblätter. Einen Spezialbestand bilden die gesammelten Ausgaben 30 jiddischer Zeitungen aus dem Berlin der Weimarer Republik. Sie bildeten die Quellenbasis für das Forschungsprojekt "Jiddische Zeitungen und Zeitschriften im Berlin der Weimarer Republik als Sprachrohr und Organ der Selbstvergewisserung der ostjüdischen Immigranten".
7.
Eine Presseausschnittsammlung dokumentiert seit 1983 in wachsender Dichte Entwicklung und Wahrnehmung von Antisemitismus, Rechtsextremimus, Minderheitenfragen und Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Derzeit werden neun deutsche Tages- und Wochenzeitungen ausgewertet. Stichworte in Sach-, Personen- und Ländergruppen ermöglichen ein schnelles Auffinden der gesuchten Artikel. Den Zugriff auf rund 1 500 Dokumentarfilme, Reportagen und Spielfilme zu forschungsrelevanten Themen bietet eine Videosammlung.
8.
Eine Sammlung rechtsextremer und antisemitischer Publikationen, Flugblätter, Aufkleber und anonymer Briefe vorwiegend der achtziger und neunziger Jahre gibt Einblick in die Entwicklungen der internationalen rechtsextremen Szene. Zu diesem Bereich zählt auch eine Sammlung zur öffentlichen Wahrnehmung einschlägiger Phänomene mit Material zu Ereignissen, Skandalen und Affären der achtziger und neunziger Jahre, die Themen wie Antisemitismus oder die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus berühren. Eine Zusammenstellung von Urteilsbegründungen aus Prozessen gegen Rechtsextremisten und Holocaustleugner vervollständigt diesen Bereich.
9.
Unter mehreren Nachlässen, die im Archiv zur Verfügung stehen, ragt derjenige des Richters Horst Göppinger heraus, Autor des Standardwerkes "Juristen jüdischer Abstammung im "Dritten Reich". Der Nachlaß enthält biographisches Material zum Schicksal jüdischer Juristen unter dem Nationalsozialismus und im Exil, eine Sammlung einschlägiger Aufsätze, Rezensionen und Zeitungsausschnitte sowie Material zum Reichsfinanzhof.