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Zentrum für Antisemitismusforschung

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Antisemitismus in Europa (1879-1914).
Nationale Kontexte, Kulturtransfer und europäischer Vergleich.
Ein Forschungskolleg

Überblick:

Fragestellung
Umfang und Struktur
Schriftenreihe
Ziele und Intentionen
Kontakt
Teilprojekte der Doktorandinnen und Doktoranden
Kooperationsprojekt mit der EHESS Paris
Post-doc Projekt

Fragestellung:

Wie die aktuellen Kontroversen über den Antisemitismus in Europa zeigen, ist die Judenfeindschaft kein national begrenztes, sondern ein europäisches Phänomen. Das von Professor Dr. Werner Bergmann und Professor Dr. Ulrich Wyrwa geleitete und von der Volkswagenstiftung, der Gerda-Henkel-Stiftung sowie der Fritz-Thyssen-Stiftung finanzierte Forschungskolleg zum Antisemitismus in Europa geht der Frage nach, ob und inwiefern der Antisemitismus auch in der Zeit von der Erfindung des Begriffs bis zum Ersten Weltkrieg, gleichsam in der Formierungsphase der neuen Judenfeindschaft, eine europäische Erscheinung war. Das die Forschungen leitende Interesse richtet sich auf die Frage, welche Rolle spezifische nationale Kontexte für die Ausprägung des Antisemitismus gespielt haben, welche unterschiedlichen Formen der Antisemitismus in den verschiedenen Ländern angenommen hat, inwiefern antisemitische Aktivisten in einem transnationalen Austausch standen und europäische antisemitische Netzwerke entwickelt haben und welche Folgen die antisemitischen Bewegungen für die historische Entwicklung in den einzelnen Ländern hatten. Da zeitgenössische Beobachter weniger in Deutschland, als vielmehr in Rumänien, Russland und der Habsburg-Monarchie den Mittelpunkt der antisemitischen Bedrohung sahen, konzentriert sich das Forschungskolleg in der ersten Stufe auf Osteuropa. Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus Polen, Rumänien, Bulgarien sowie Griechenland, das historisch ebenfalls in diesen südosteuropäischen Raum gehört, untersuchen die Entstehung und Entwicklung des Antisemitismus in den entsprechenden Ländern bzw. Sprachräumen. Die Fragestellung der Teilprojekte richtet sich sowohl auf die jeweiligen nationalen Besonderheiten im Antisemitismus der ausgewählten Länder, auf den Kulturtransfer zwischen den verschiedenen Regionen des Kontinents als auch auf die europäischen Gemeinsamkeiten der neuen Judenfeindschaft. Zeitlich konzentriert sich das Kolleg auf die Zeit von den späten 1870er Jahren, als der Terminus Antisemitismus erstmals auftauchte, bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs. Zunächst wird im Forschungskolleg ein gemeinsamer Begriff von Antisemitismus erarbeitet; zugleich sollen die methodischen Zugänge und inhaltlichen Fragestellungen der einzelnen Forschungsprojekte aufeinander abgestimmt werden. Dadurch wird eine möglichst weitreichende Kohärenz und konzeptionelle Übereinstimmung der Promotionsprojekte des Forschungskollegs gewährleistet. Die einzelnen Arbeiten sind für sich zunächst national oder regional angelegt und auf einen spezifischen Sprach- und Kulturraum bezogen. Sie verbindet aber die gemeinsame Frage nach dem transnationalen, interkulturellen Austausch, dem Ideen- und Kulturtransfer im Antisemitismus. Auch sollen die jeweiligen nationalen Einzelstudien ihre Ergebnisse unter europäisch-vergleichender Perspektive diskutieren.
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Umfang und Struktur:

Die fünf, von der Volkswagenstiftung finanzierten Dissertationsprojekte zu Kongresspolen, Galizien, Bulgarien, Rumänien und Griechenland bilden nur den Anfang des anvisierten europäischen Forschungsprogramms. Es ist geplant, weitere Studien in Form von Dissertations- und Post-doc-Projekten in das Forschungskolleg zu integrieren. Mit finanzieller Unterstützung der Gerda-Henkel-Stiftung konnte bereits ein Post-doc-Projekt zum slowakischen Antisemitismus begonnen werden, die Fritz-Thyssen-Stiftung finanziert eine Studie zum Antisemitismus in den skandinavischen Ländern. Ferner entsteht zu den habsburgischen Kronländern Kroatien-Slawonien im Rahmen des Forschungskollegs eine Arbeit. Konkret im Stadium der Antragstellung sind zwei Studien über Böhmen und Slowenien einerseits sowie ein Projekt über Litauen. Über Frankreich wiederum entsteht in Kooperation mit der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) Paris eine Dissertation über die Anfänge der antisemitischen Agitation in Frankreich. In einem nächsten Schritt ist geplant, ein weiteres Dissertationsprojekt über die Provinz Posen durchzuführen, so dass alle drei polnischen Teilungsgebiete des 19. Jahrhunderts im Kolleg vertreten sein werden. Ferner sollen Länder wie Spanien, Belgien und die Schweiz einbezogen werden. Den Abschluss des gesamten Forschungskollegs bildet schließlich eine systematisierende, europäisch-integrativ konzipierte Gesamtdarstellung des Antisemitismus von der Bildung des Begriffs bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, in der diese transnationalen Aspekte und die Fragen nach dem interkulturellen Austausch im Mittelpunkt stehen werden.
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Schriftenreihe:

Die Ergebnisse des Forschungskollegs werden schließlich in einer neuen Schriftenreihe ‚Studien zum Antisemitismus in Europa’ veröffentlicht, die mit einer komparativen Untersuchung des wissenschaftlichen Leiters des Kollegs zum Antisemitismus in Deutschland und Italien eröffnet wird. Es ist vorgesehen, in dieser Schriftenreihe auch Studien über den Antisemitismus in weiteren Ländern und Sprachräumen, die an anderen Universitäten erarbeitet werden, etwa eine neuere, an der Universität Lissabon abgeschlossene Dissertationen über den Antisemitismus in Portugal im selben Zeitraum, in deutscher Übersetzung zu publizieren.
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Ziele und Intentionen:

Die wesentlichen Ziele und Intentionen des Forschungskollegs liegen erstens darin, Antworten auf aktuelle Fragen und Defizite der Antisemitismusforschung zu geben. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, worin das Spezifische des deutschen, im Nationalsozialismus kulminierenden Antisemitismus lag. Da diese Frage nur unter vergleichender Perspektive zu beantworten ist, sollen die Arbeiten des Forschungskollegs die Entstehung und Entwicklung des Antisemitismus in den verschiedenen Ländern Europas systematisch und nach einheitlichen Kriterien untersuchen. Zweitens liegt dem Forschungskollegs auch eine gleichsam wissenschaftspolitische Absicht zugrund. Ziel ist es, einen Beitrag für die Zusammenarbeit von Historikerinnen und Historikern in Europa zu leisten und die Integration von Nachwuchswissenschaftlern aus Osteuropa in die europäische ‚Scientific Community’ zu fördern. Drittens versteht sich das Forschungskolleg als ein europäisches Projekt, das nicht nur aus einer Addition unzusammenhängender, nationaler Einzelstudien besteht, sondern komparativ und europäisch angelegt ist. Das die Forschungen des Kollegs leitende Interesse richtet sich auch auf die Frage, welche Bedeutung dem Antisemitismus für die europäische Geschichte und die historische Selbstverständigung des sich vereinigenden Europa zukommt. Eine Geschichte Europas muss sich den Schattenseiten und Abgründen der europäischen Vergangenheit stellen. Dazu gehört die Geschichte des europäischen Antisemitismus. Wenn der Holocaust zu einem, wie es heißt, „negativen Gründungsmythos“ des sich vereinigenden Europa wird, ist auch nach den historischen Wurzeln des Antisemitismus im europäischen Kontext zu fragen. Europa kann nur im Blick auf Vielfalt und Differenz gedacht werden. Vor allem aus diesem Grund muss eine Geschichte Europas, die die Einheit des Kontinents in den Blick nehmen möchte, die Widerstände, die der Anerkennung von Anderen entgegenstanden, historisch aufarbeiten. Aus diesem Grund ist es notwendig, auch die Entstehungsbedingungen und die geschichtliche Entwicklung des Antisemitismus in Europa unter systematisch vergleichenden, europäischen Gesichtspunkten, wie es in diesem Forschungskolleg projektiert ist, zu untersuchen.
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Kontakt:

Verantwortlicher Leiter des Kollegs:

Professor Dr. Werner Bergmann

Wissenschaftlicher Leiter:

Professor Dr. Ulrich Wyrwa
email: wyrwa[at]zfa.kgw.tu-berlin.de
Tel: (030) 314-79873
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Teilprojekte der Doktorandinnen und Doktoranden:

Teilprojekt österreichisches Galizien
gefördert von der Volkswagen-Stiftung
Tim Buchen, M.A.
Geb. 1979 in Koblenz am Rhein
2000-2007 Studium der Geschichte, Neuere deutsche Literatur und Osteuropastudien an der Humboldt-Universität und FU Berlin, der Krakauer Jagiellonen-Universität und der Universität Warschau

Teilprojekt skandinavische Länder
gefördert von der Fritz-Thyssen-Stiftung
Christoph Leiska, M.A.
Geb. 1979 in Aachen
1999-2006 Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Publizistik an der Freien Universität Berlin und der Universität Uppsala, Schweden

Teilprojekt Bulgarien
gefördert von der Volkswagen-Stifung
Veselina Nikolaeva Kulenska
Geb. 1982 in Pazardshik, Bulgarien
2001-2005: Studium der Geschichte und Medienwissenschaften an der Universität Sofia "Sveti Kliment Ochridki".

Teilprojekt Griechenland
gefördert von der Volkswagen-Stifung
Maria Margaroni
Geb. 1969 in Volos, Griechenland.
1987-1991: Studium der Klassische Philologie an den Universitäten Thessaloniki, Berlin (FU) und Hamburg
1992-1995: Ausbildung als Krankenpflegerin Hamburg
1996-2000: Studium der Germanistik an den Universitäten Athen und Caen
2000-2005: Studium der Geschichte, Archäologie und Sozialanthropologie an der Universität Thessalien in Volos

Teilprojekt Kongresspolen
gefördert von der Volkswagen-Stifung
Maciej Moszynski
Geb. 1982 in Poznan, Polen.
2001-2006: Studium der Geschichte und Rechtswissenschaften an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznan.

Teilprojekt Rumänien
gefördert von der Volkswagen-Stifung
Iulia Maria Onac (geb. Pop)
Geb. 1980 in Baiut, Rumänien
1999-2005: Studium der Geschichte, mit Schwerpunkt jüdischer Geschichte an der Universität "Babes Bolyai" Cluj Napoca

Teilprojekt Kroatien-Slawonien
Marija Vulesica, M.A.
Geb. 1978
2000-2005: Studium der Geschichte, Ost- und Südosteuropäischen Geschichte sowie Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin

Teilprojekt Litauen
gefördert von der Fritz-Thyssen-Stiftung
Klaus Richter
Geb. 1979 in Oldenburg (Oldb.)
2000-2007 Studium der Geschichte und Anglistik mit Abschluss 1. Staatsexamen an der Universität zu Köln und der Vytautas-Magnus-Universität in Kaunas, Litauen
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Kooperationsprojekt mit der EHESS Paris

Le déclenchement d l'agitation antisémite en France (1879-1892)
Damien Guillaume
Geb. 1977 in Fontenay-aux-Roses, Frankreich
Studium der Linguistik, Literatur und Geschichte an der Ecole des hautes études en Sciences Sociales (EHESS), Paris
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Post-doc Projekt:

Der slowakische Antisemitismus im europäischen Kontext (1879-1914)
Gefördert von der Gerda-Henkel-Stiftung
Miloslav Szabó
geb. 1974 in Zvolen, Slowakei
1993-1998 Studium der Geschichte und Germanistik an der Philosophischen Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava
1999-2005 Doktorand an der Karls-Universität in Prag,
Dissertation "Rasa a vôla. Alfred Rosenberg a Mýtus 20. storocia" (Rasse und Wille. Alfred Rosenberg und Der Mythus des 20. Jahrhunderts)