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Zentrum für Antisemitismusforschung

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„Fit machen für Demokratie und Toleranz –
Jugendliche setzen sich mit dem Antisemitismus auseinander“

Beteiligte:

Ein Projekt des Zentrums für Antisemitismusforschung, des Berliner Landesinstituts für Schule und Medien (LISUM) und des Berliner Büros des American Jewish Committee

Förderung:

Das Projekt „Fit machen für Demokratie und Toleranz – Jugendliche setzen sich mit dem Antisemitismus auseinander“ wird gefördert von "entimon" und der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"

Überblick:

Eine Welle antisemitischer Äußerungen und Ausschreitungen in Europa hat deutlich gezeigt, welchen negativen Mobilisierungseffekt der Nahost-Konflikt seit Beginn der zweiten Intifada im Herbst 2000 auf Einstellungen gegenüber Juden und dem Staat Israel hervorrufen kann. Dass die Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern und die damit verbundenen Urteile und Vorurteile auch in Schulen ihr Echo finden, liegt auf der Hand. Lehrer werden heute mit antisemitischen Vorurteilen konfrontiert, die nicht neu sind, weil sie sich alter Stereotypen bedienen, aber durch neue Konnotationen nicht in gelernte Raster passen und deshalb oft nicht gleich erkennbar sind. Um so wichtiger ist es, dass Pädagogen in die Lage versetzt werden, entsprechende Äußerungen und Einstellungen, die Antisemitismus erkennen lassen, einzuordnen und angemessen auf diese Heraus­forderungen zu reagieren. Die Vorstellung, dass „Holocaust-Erziehung“ ein Präventivmittel gegen antisemitische Einstellungen sein könnte, hat sich schon lange als Trugschluss erwiesen, deshalb müssen neue Wege gesucht werden, solche Vorurteilsstrukturen aufzubrechen. Der Antisemitismus ist ein Phänomen, dessen spezifische Brisanz nicht verstanden werden kann, wenn es immer nur als Teil von Rassismus und Xenophobie begriffen wird. Deshalb sind auch Menschenrechts- und Antirassismuspädagogik nicht die geeigneten Mittel, diesen Vorurteilen beizukommen.

Zielsetzung:

Ziel des Projektes, das auf einer engen Kooperation zwischen Wissenschaft und Pädagogik basiert, ist die Vermittlung von Kenntnissen zu aktuellen Formen des Antisemitismus und die Schärfung des Bewusstseins auch für subtilere Formen des jahrhundertealten Phänomens bei Kindern und Jugendlichen. Im Mittelpunkt steht die Anwendung des Youth Leadership Program (YLP), ein 1981 vom American Jewish Committee (AJC) für Schulprojekte in den USA entwickeltes Konzept, das die Arbeit mit Jugendlichen an Schulen außerhalb des regulären Unterrichts vorsieht. Interessierte Schüler üben auf freiwilliger Basis in kleinen Gruppen, wie sie ihre Peer Group durch couragiertes und informiertes Auftreten gegen Vorurteile positiv beeinflussen können. Das Programm basiert auf der Erkenntnis, dass ein Großteil der Jugendlichen einer oder mehreren Gruppen oder Cliquen angehören, die sich gegenseitig beeinflussen, einen gleichen oder ähnlichen Status haben und annähernd das gleiche Alter besitzen. In diesen Gruppen kommunizieren Jugendliche auf gleicher Ebene und arbeiten an anstehenden Entwicklungsaufgaben. Youth Leader wirken in diesen Gruppen als Multiplikatoren. Sie können Lerninhalte mit mehr emotionaler Beteiligung glaubhaft vermitteln und zusätzlich unterstützende Funktionen in der Unterrichtsgestaltung übernehmen. Im Rahmen des Projekts wenden Trainerinnen zunächst an fünf Schulen in Berlin, Potsdam und Dresden (Gutenberg-Oberschule Berlin-Lichtenberg, Walther-Gropius-Schule Berlin-Neukölln, Kurt-Tucholsky-Schule Berlin-Pankow, Rosa-Luxemburg-Schule in Potsdam, 141. Oberschule in Dresden-Gorbitz) sowie mit Hilfe der RAA Brandenburg an weiteren Brandenburger Schulen erstmals das Youth Leader Training an, um Schülerinnen und Schüler zur Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus zu befähigen. Erfahrungsgemäß entfalten solche Aktivitäten nicht nur innerhalb der jeweiligen Schule ihre Wirkung, sondern geben oft auch Impulse nach außen (Eltern, Nachbarn, Freunde). Eine wesentliche Bedingung für den Erfolg des Projekts ist die Unterstützung durch die Lehrkräfte. Begleitend veranstaltet deshalb die Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin ein einjähriges Lehrerfortbildungsseminar unter dem Titel „Standpunkte 2005: Demokratie stärken – Pädagogische Strategien zur Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus“.

Das Zentrum für Antisemitismusforschung erarbeitet innerhalb des Projektes eine CD-Rom, die einerseits als Medium der Wissensvermittlung dient, aber auch neue Konzepte und gute Beispiele von Lehr- und Methodenmaterialien bereitstellen soll, die Lehrern Hilfsmittel an die Hand geben, um das Thema Antisemitismus im Unterricht behandeln zu können. Dabei sollen auch im Rahmen der Lehrerfortbildung erarbeitete neue Herangehensweisen und Konzepte einfließen.

Finanzierung:

Finanziert wird das Projekt durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, das entimon Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie das Bündnis für Demokratie und Toleranz. Die Bildungsministerien in Berlin, Brandenburg und Sachsen unterstützen das Projekt und die Bundeszentrale für politische Bildung hat ihre fachliche Hilfe zugesagt. Der Cornelsen Verlag wird die Produktion und den Vertrieb der CD-Rom übernehmen.

Dokumentation:

Abschließend erschien im Dezember 2006 die Dokumentation des Projektes im Metropol Verlag. Darin enthalten sind neben einigen Artikeln, die die Intentionen, Konzepte und Erfahrungen mit dem "Antisemitismus als Thema für Jugendliche" erläutern, auch Praxisberichte und Empfehlungen zu Literatur und pädagogischen Materialien.
In virtueller Form können Sie die Dokumentation hier herunterladen:

Kontakt:

Dr. Juliane Wetzel
email: wetz0154[at]mailbox.tu-berlin.de
Tel: 314-21397